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Rimski-Korsakow - Posaunenkonzert in B-Dur


Nikolai Andrejewitsch Rimski-Korsakow wurde 6. März 1844 in der russischen Kleinstadt Tichwin bei Nowgorod geboren. Der Marinetradition seiner Familie folgend wurde er 1862 Kadett in der Petersburger Marineschule. Das kulturelle Angebot dieser Stadt weckte bei ihm das Interesse an der Musik.
Sein Klavierlehrer Fjodor Andrejewitsch Kanille erkannte das kompositorische Talent seines Schülers und vermittelte ihm die Grundlagen der Kompositionstechnik. Über ihn lernte er wenig später die Komponisten Mili Balakirew, César Cui und Modest Mussorgski kennen, allesamt Vertreter der „Neuen Russischen Schule“, die sich später zum so genannten Mächtigen Häuflein zusammenschlossen.
Unterbrochen von einer Weltumseglung auf einem russischen Kriegsschiff setzte Rimski-Korsakow seine musikalische Karriere fort. 1871 übernahm er am Konservatorium von St. Petersburg die Professur für Komposition und Instrumentation. 1874 wurde er Inspektor der russischen Marinekapellen.
Zunächst von der Maxime des Mächtigen Häufleins ausgehend, sich nicht mit musiktheoretischer Bildung zu befassen und sich gleich an großen Formen zu versuchen, begann Rimski-Korsakow seine Laufbahn als Komponist mit einer Sinfonie. Später distanzierte er sich von dem Anti-Akademismus des Balakirew-Kreises und holte seine musikhandwerkliche Bildung nach. Russische Geschichte, russische Märchen und russische Volksmusik gaben Inspirationen zu seinen Werken.
Das Posaunenkonzert B-Dur wurde ursprünglich für Blasorchester geschrieben und später vom Komponisten selbst für Sinfonieorchester umgearbeitet. Seine Herkunft aus der Tradition russischer Militärkapellen leugnet das Werk indes nicht.
Mit furiosen Triolen in den Holzbläsern wird der erste Satz eröffnet. Über diesen fliegenden Klangteppich erhebt sich bereits nach zwei kurzen Takten mit einem fanfarenhaften Auftakt das Thema in der Solo-Posaune. Mit diesem triolischen Anfangsmotiv sucht der Solist immer neue Höhen. Der Wechsel von Triolen und „geraden“ Duolen wird in dem Satz charakterbildend. In „geraden“ Achteln führt der Solist das Hauptthema zurück in die Bassposaunenlage zum großen F. Zum ruhigen Mittelteil verlangsamt sich die Orchesterbegleitung in den Streichern zu gebundenen Achteln. Blechbläser und Fagotte leiten mit dem Triolenmotiv wiederum zur Reprise über, die in drei strahlenden B-Dur-Akkorden endet.
Der zweite Satz, überschrieben mit Andante cantabile, nimmt das Begleitmotiv akkordischer Tonwiederholungen des erstes Satzes wieder auf, das jedoch hier sehr viel ruhiger im wiegenden 6/8-Takt in den Streichern erklingt. In äußerst weichem Ges-Dur, der Tonikavariantparallele von B-Dur, setzt die Posaune schwebend auf B, der Grundtonterz ein. Das Thema hat den Charme einer Barcarole, dem Lied der venezianischen Gondolieri, und bekommt eine besondere Süße durch das aufgelöste C im zweiten Takt, das der Melodie einen lydischen Charakter verleiht.
In der schlichten Liedform AABA gehalten, wird das erste Thema des Satzes wiederholt, bevor das etwas markantere, aber immer noch lyrische Nebenthema beginnt. Die Orchesterbegleitung verdichtet sich durch das Einsetzen der Bläser zu einem warmen Forte-Klang. Die begleitenden Akkordwiederholungen werden von Achtel auf Sechzehntel beschleunigt und unterstützen so den etwas drängenderen Charakter des Themas der Posaune. Die letzte Wiederholung des Themas endet in einer Fermate, die die dreiteilige Zwischenkadenz zum letzten Satz einleitet. Die Kadenz erklingt teilweise „zweistimmig“: Während der Solist einen tiefen Ton spielt, singt er gleichzeitig einen höheren dazu. Rezitativähnlich unterteilen Einwürfe des Orchesters diese Posaunekantilenen, die
attacca in den dritten Satz überleiten, der mit einer markanten Fanfare in den Trompeten eröffnet wird. Das Tempo wird jedoch alsbald zu einem gemütlichen Allegretto gedrosselt, in dem erste Geigen, Oboen und Trompeten mit einem tänzerischen Triolenauftakt das volkstümliche Thema vorstellen. Noch gemütlicher kommt die Posaune daher, die den Auftakt zu „geraden“ Sechzehnteln verbreitert. Erstmals tritt das Soloinstrument deutlich in einen Dialog mit dem Orchester. Kurze Einwürfe der Holzbläser nimmt die Posaune auf und gibt sie leicht variiert wieder. Immer wieder versucht sich das Orchester vom Solisten zu emanzipieren und präsentiert selbstbewusst den Nachsatz des Hauptthemas. Er besteht aus einfachen Akkordbrechungsmotiven, die den anfänglichen Fanfarencharakter fortführen. Die Begleitung dünnt sich zu einem schmalen Bläsersatz aus Hörnern und Fagott aus, die mit trommelähnlichen Triolen einen subtilen Kontrast zum lyrischen Seitenthema bilden und somit den Charakter einer Blaskapelle erhalten. Rasch dreht sich das Verhältnis um: Das Orchester übernimmt das gesangliche Thema und die Posaune erweitert das Triolenmotiv zu entfremdeten Fanfarenklängen, bis schließlich die Trompeten den Beginn der Reprise ankündigen.
Die Kadenz von Joachim Preu nimmt nach üblicher Manier die Themen des Konzertes wieder auf und variiert sie nach Geschmack und Fähigkeiten des Interpreten. Hier zeigt der Solist, zu welcher Virtuosität er auf seinem Instrument fähig ist und was ihm womöglich in den auskomponierten Tönen des Werkes gefehlt hat. Hören Sie selbst.